Feinheit hat schon mehrfach Projekte im Bereich aktive Mobilität umgesetzt: sei es für Pro Velo, für Swiss Cycling oder auch die Velokampagne der Stadt Bern. Weil wir in der Förderung des Velos grosses Potenzial sehen und das aktuelle Team aus einigen begeisterten Velofans besteht, haben wir die Gelegenheit genutzt, am Veloforum Schweiz teilzunehmen.
Das Veloforum fand am 14. September in Bern zum zweiten Mal nach der Erstausgabe 2024 im grösseren Rahmen statt. Unter dem Titel «Was Paris kann, was die Schweiz will – Auf dem Weg vom Ist-Zustand zum Veloland» wurden die drei Bereiche Verkehrspolitik, Inklusion und Sicherheit näher beleuchtet.
Der titelgebende Beitrag des ehemaligen Vizebürgermeisters von Paris, Christophe Najdovski, gab einen inspirierenden Rahmen für den Blick auf die Schweiz. Paris hat unter Anne Hidalgo und insbesondere seit Corona in beeindruckendem Tempo an Velofreundlichkeit gewonnen. Einigen dürften die breiten Boulevards mit unzähligen Velos und das von Autos befreite Seine-Ufer aus Bildern oder von eigenen Besuchen bekannt sein. Für Nicht-Pariser:innen wohl etwas weniger offensichtlich sind die sogenannten Rue des enfants: Vor rund 300 Schulen wurde in den letzten Jahren die Strassen vom motorisierten Individualverkehr (MIV) befreit und begrünt, um insbesondere den Schulkindern einen sichereren Schulweg und höhere Aufenthaltsqualität zu bieten.
Genau hier zeigt sich im Verlauf der weiteren Diskussionen, die wiederholt den Vergleich zur Schweiz herstellten, ein entscheidender Unterschied. In Paris werden die Begrünung des öffentlichen Raums und die Neugestaltung des Strassenraums für aktive Mobilität deutlich stärker zusammen gedacht, als dies offenbar in der Schweiz der Fall ist. Zu oft noch würden sogar in velofreundlichen Schweizer Städten die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzenden und auch die Veloplanung und der Wunsch nach mehr Grünflächen gegeneinander ausgespielt.
Neben der Verkehrspolitik standen auch die Themen Sicherheit und Inklusion auf der Agenda. Wie die mit allen grossen Parteien vertretene Velefantenrunde, waren auch im Panel zu Sicherheit unterschiedliche Positionen vertreten – neben Velofahrenden auch diejenige von Lastwagenlenkenden. Rollstuhlathletin Manuela Schär äusserte am Ende ihres Gesprächs mit der Stiftungsratspräsidentin der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, Heidi Hanselmann, einen bezeichnenden Wunsch: dass genau solche separaten Panels zu Inklusion irgendwann nicht mehr nötig seien.
Das 2023 angenommene Veloweggesetz hat die Velopolitik nun definitiv auf die nationale Agenda gebracht. Die Kantone sind verpflichtet bis 2027 verbindliche Planungen von Velonetzen für Alltag und Freizeit vorzulegen und diese bis 2042 umzusetzen. Eine spontane Saalumfrage zeigte, dass das Publikum deutlich weniger Optimismus für diesen Zeitplan aufbringen kann als die anwesenden Behördenvertreter:innen.
Immerhin verfügen nun fast alle Kantone über eine für diese Planung und Umsetzung verantwortliche Fachstelle. Für uns als velobegeisterte Kommunikationsagentur eröffnen sich damit in den kommenden Jahren spannende Möglichkeiten, denn neben Netzplanungen und -umsetzungen haben diese Stellen auch einen Sensibilisierungsauftrag gegenüber der Bevölkerung.