Portrait von Kristina Roder Portrait von Kristina Roder

Kristina Roder

Als Digital Native kennt Kristina die Sprache des Netzes, kommuniziert auf Augenhöhe und schätzt den Austausch mit den anderen Nutzer*innen. Als Flugbegleiterin bei SWISS lernte sie, was Dienstleistung wirklich bedeutet, lebte global und behielt auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. All diese Erfahrungen sind heute die Grundlage, nach denen Kristina Projekte aufgleist und abwickelt: Im Mittelpunkt steht stets der Mensch und das Finden von funktionalen Lösungen. Darum auch ihr Fokus auf Human Centered Design.

Das digitalisierte Klassenzimmer (Teil 1)

Feinheit realisierte in den letzten Jahren einige digitale Lernplattformen – unter anderem das Lernspiel Finance Mission Heroes oder Projekte für den Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ). Diese Mittel sind eine ideale Ergänzung zur normalen Unterrichtssituation – aber in Zeiten von Corona und Fernunterricht reichen sie einfach nicht aus. Darum haben wir uns mit Madleina unterhalten: Sie ist Lehrerin in Zürich und wir haben sie gefragt, welche Tools sie nutzt und wo der Schuh gerade wirklich drückt.

Liebe Madleina, erzähl doch kurz, welche Stufe du unterrichtest und was du bereits digital/remote machst.

Ich unterrichte eine Mittelstufe gemischt, das heisst 4, 5 und 6 Klasse. Wir verwenden neu Avaya für Videokonferenzen und Chaträume. Hier war die Schwierigkeit, diese Plattform bei allen Kindern remote zu installieren. Teilweise mussten wir jeden Schritt via WhatsApp-Videocall kommunizieren. Aber das ist nun geschafft und es funktioniert gut.

Um Aufgaben bereitzustellen nutzen wir neu Learningview. Es können Texte, Bilder, Arbeitsblätter etc. hochgeladen werden. Die Kinder können die Aufgaben sogar selber korrigieren. Sind die Aufgaben abgeschlossen, macht das System automatisch einen Vermerk, so haben wir Lehrpersonen immer einen guten Überblick.

Zudem nutzen wir das Angebot Schlaumeier von Roman Camenzind, wo es täglich um 9 Uhr eine halbe Stunde Wissen in Form eines unterhaltsamen Videos gibt. Die klare Struktur führen wir fort, so gibt es um 10 Uhr immer einen Video-Call mit allen zum Austausch.

Die Angebote des Lehrmittelverlags Zürich (LMVZ) nutzten wir auch, wir integrieren diese via Link im LearningView. Für die Mittelstufe ist das Angebot leider noch nicht so gross, aber besonders das Fach Französisch ist gut abgebildet. Ergänzend zum Online Learning machen wir beispielsweise bei Französisch auch Calls in Kleingruppen, so dass sie die Sprache auch sprechen üben.

Das tönt bereits alles sehr organisiert. Gab oder gibt es auch Probleme?

Man muss auch bedenken, dass die Kinder in der vierten Klasse wirklich noch Kinder sind und noch nicht so geübt mit dem PC umgehen können. Wenn ich bei ihnen ein neues Tool einführe, welches ein Login benötigt, muss ich sicher 2 Stunden einrechnen, um ihnen das Vorgehen Klick für Klick zu erklären. Das ist auch der Grund, warum wir bei ihnen z.B. noch nicht das Mathematik-Angebot des LMVZ nutzen. Bleibt die Situation so, werden wir dieses nach den Frühlingsferien einführen. Aber jetzt sollen sie sich erstmal an die neuen Online-Tools gewöhnen.

Du hast gesagt, es sei ein Problem, dass die Kinder viel vor dem PC hocken. Habt ihr da schon eine Möglichkeit oder Ideen gefunden, dem Abhilfe zu schaffen?

Die Umgebung von Avaya haben wir den Eltern mitgeteilt. Ab dem Mittag müssen die Schülerinnen und Schüler nicht mehr am Computer arbeiten. Viele Übungen gibt es nach wie vor auf Papier und in Büchern. Dieser Wechsel vom Digitalen zum Haptischen finden wir wichtig. Nur Blätter verteilen wäre aus unserer Sicht auch nicht zielführend gewesen.

Zudem haben wir einen Wochenplan erstellt und so die Zeiten fixiert, wann wir mit den Schülerinnen und Schülern Einzelgespräche führen. Es ist uns wichtig, dass die Kinder und Eltern wissen, dass sie weiterhin gut betreut und aufgehoben sind!

Gibt es noch Tools, die dir fehlen oder wünschst du dir Tipps zu einem bestimmten Thema von uns?

Was mir fehlt ist ein Übungsinstrument für den Deutschunterricht. Natürlich gibt es tolle Aufgaben, wie: Schreib deiner Oma einen Brief. Aber wenn man Lehrplan-21-basiert weitermachen möchte, um bestimmte Themen zu vertiefen, fehlen mir gute, online bereitgestellte Mittel.

Wirklich mühsam ist auch die Sache mit den Logins. Mir ist klar, dass diese aus rechtlicher Sicht nötig sind, aber sie stellen mich und meine Schülerinnen und Schüler vor eine grosse und auch zeitfressende Herausforderung.

Liebe Madleina, vielen Dank für das Gespräch! Im zweiten Teil der Serie zum digitalisierten Klassenzimmer sprechen wir mit Nicolas Brandenberg, Leiter Digitale Medien beim Lehrmittelverlag Zürich (LMVZ).

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